ADFC Fahrrad-Klimatest

Bürstadt nahm 2020 erstmalig am Fahrrad-Klimatest des ADFC teil und wurde mit Note 4,25 bewertet.

Bürstadt nahm 2020 mit 62 teilnehmenden Bürstädt*innen zum ersten Mal am Fahrradklimatest des ADFC teil. Im Ranking mit 418 Kommunen seiner Größenklasse < 20.000 EW erlangte es mit einer Gesamtbewertung von 4,25 Platz 357, und liegt somit noch deutlich unter dem unbefriedigenden Durchschnitt von 3,9.

Legende:
Bürstadt
andere Orte < 20000 EW

Bundesweit nannten die Teilnehmenden als Gründe für die Nutzung des Fahrrads vor allem die Förderung der Gesundheit mit 80% aber auch der Umweltaspekt mit 70-85% und der Spaß am Radfahren mit 70-75%.

Schauen wir auf die Ergebnisse in Bürstadt, wurde der Komfort beim Radfahren mit der Gesamtnote (4,7) am schlechtesten bewertet. Vor allem bemängelt wurden zu schmale Radwege (5,1) und eine schlechte Baustellenführung (5,0).

Beim Fahren im Mischverkehr mit den KFZ (4,8), Fahren auf Radwegen und Radfahrstreifen (4,8) und dem Sicherheitsgefühl (4,6) zeigen die Teilnehmenden ebenfalls, dass Handlungsbedarf besteht.

Die Sicherheit beim Radfahren wurde mit der Gesamtnote (4,4) bewertet. Bürstädter Radfahrende zeigen mit den Noten (4,6) für das Sicherheitsgefühl, Konflikte mit KFZ (4,4) und Hindernissen auf Radwegen (4,3) z.B. durch parkende PKWs, dass dies von der Verwaltung ernst genommen und angegangen werden muss.

Der Bedarf nach sicherer und komfortabler Radinfrastruktur in Bürstadt wird hiermit deutlich hervorgehoben und die Kommune auf eine Behebung dieser Sicherheitslücke hingewiesen.

Das subjektive und objektive Sicherheitsgefühl ist entscheidend dafür, ob sich die Bürger*innen trauen, Fahrrad zu fahren. Wir sollten uns fragen, ob wir mit einem guten Gefühl ein 10 jähriges Kind zur Schule fahren lassen oder ob sich die Generation 70+ mit dem Fahrrad sicher im Straßenverkehr fühlt.

Das Radverkehrskonzept Bürstadt, das im Zusammenhang mit dem Radverkehrskonzept des Kreises Bergstraße entwickelt wurde, wurde bislang nicht öffentlich gemacht. Während das Radverkehrskonzept des Kreises Bergstraße im Dezember 2020 beschlossen und unter https://vision.kreis-bergstrasse.de/rad#uip-1 einsehbar ist, ruht das Bürstädter Radverkehrskonzept in der Schublade. Eine bessere Transparenz und das Einbeziehen der Bürger*innen, z.B. durch die Installation eines „Runden Tischs“ wurde von der Verwaltung bislang abgelehnt.

Eine Umsetzung der Empfehlungen Radverkehrsanlagen (ERA 2010) beim Bau von Radwegen und Radfahrstreifen würde die Sicherheit und den Komfort des Radwegenetzes deutlich steigern.

Der Stellenwert des Radverkehrs wurde mit der Gesamtnote (4,6) bewertet. Insbesondere seltene Falschparkerkontrollen auf Radwegen (4,7), ungenügende Fahrradförderung (4,7), aber auch mangelnde Reinigung und Winterdienst der Radwege mit jeweils (4,5) wurde bemängelt.

Befriedigend wurde die Infrastruktur des Radverkehrsnetzes bewertet mit der Gesamtnote (3,5). Die Verfügbarkeit öffentlicher Fahrräder (3,0) liegt dabei deutlich über dem Durchschnitt. Zügiges Radfahren (3,4), die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit (3,6) und geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung (3,7) wurden ebenfalls besser als der Durchschnitt bewertet.

Das Fahrradverkehrsklima wurde mit der Gesamtnote 4,0 bewertet. Insbesondere das Radfahren durch Alt und Jung wurde mit (3,0) dabei am besten bewertet.

Bürstadt stellt durch seine topographisch flache Lage im Ried optimale Voraussetzungen für radfahrende Familien und bietet somit viel Potential für eine Zunahme des Radverkehrs.

Entwicklung seit 2012

Legende:

Bürstadt

andere Orte < 20000 EW

Andere Kommunen

Bei der Preisvergabe der bestbewerteten Kommunen und Städten zeigte sich, dass diese dem Fahrrad viel Raum geben. Aber auch eine schnelle Umsetzung der Freigabe von Einbahnstraßen in die Gegenrichtung kommt bei den Radfahrenden sehr gut an.

In unserer Region besonders erfolgreich ist Lorsch, das im Klimatest mit Gesamtnote 3,3 den Rangplatz 44 von 418 erreichte. Dort ist auch die ADFC-Ortsgruppe seit mehreren Jahren aktiv. Lorsch ist erfolgreich an der Abarbeitung des von Hochschule Darmstadt entwickelten Radverkehrskonzepts. So wurde beispielsweise der Schulweg zur Werner-von-Siemens-Straße als Fahrradstraße ausgewiesen. Der Autoverkehr hat sich dort dem Radverkehr unterzuordnen. Auf einigen Hauptverkehrsstraßen gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen und durchgehende Radfahrstreifen.

Auch dadurch hat sich die Bewertung von Lorsch im ADFC Fahrradklimatest in den letzten 4 Jahren von 3,7 auf 3,3 verbessert.

Fahrradstraße in Lorsch

Corona

Die Bedeutung des Fahrrads ist während der Corona-Krise gestiegen, vor allem in den Großstädten. Der Anteil der Freizeitradler*innen ist ebenfalls stark gestiegen (+27% im Vergleich zu der Umfrage 2018).

Städte wie Berlin, die während der Corona Pandemie unbürokratisch Protected Bikelines umsetzten und somit für mehr Sicherheit für den zunehmenden Radverkehr sorgten, wurden von ihren teilnehmenden Bürger*innen honoriert und Berlin erhielt dafür vom ADFC einen Sonderpreis.

Die Elektromobilität in Kommunen < 20.000 EW hat zugenommen. Der Anteil der Pedelec- Nutzenden liegt bei 30%.

Stadtverwaltung Bürstadt

Insbesondere die Radfreundlichkeit der Verwaltung der Kommunen und Städte ist ein deutliches Gradmesser für die Investitionen in eine Fahrradfreundliche Kommune. Die Gewinner des Fahrradklimatests haben dies erkannt und unterstützen mit ihrer kommunalen Verkehrspolitik den Ausbau der Radinfrastruktur.

In den Wahlprogrammen zur Kommunalwahl 2021 in Bürstadt haben CDU, SPD und Grüne den Bau von mehr Fahrradwegen und eine Zunahme der Fahrradfreundlichkeit, versprochen. Die Grünen haben ein eigenes Radverkehrskonzept vorgelegt. Die Freien Wähler sind mit 22% der Wählerstimmen als zweitstärkste Kraft nach der CDU neu ins Stadtparlament eingezogen. Sie sprachen von einer Optimierung der Konzepte bei Rad- und Fußwegen.

Diese Wahlversprechen lassen umfangreiche Verbesserungen in der Zukunft erhoffen.

Siehe auch

Martina Moldon

Dipl. Soz. Päd.

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