Leeres Muster eines Aktionsplans für Klimaschutz in Bürstadt aus dem Jahre 2010.

Masterplan 100 % Klimaschutz

Schon 2014 ließ die Stadt Bensheim mit Fördermitteln des Bundes einen in sich geschlossenen Plan für die Umsetzung ausreichender Klimaschutzmaßnahmen bis 2050 entwickeln. Der Plan ist ein wenig veraltet, aber recht beeindruckend. Bürstadt hat bei dieser Verpflichtung versagt.

Der Bensheimer Plan

Unter dem Namen „Masterplan 100% Klimaschutz“ hat Bensheim im April 2014 einen Plan zur vollständigen Umsetzung von ausreichenden Klimaschutzmaßnahmen veröffentlicht:

https://www.bensheim.de/fileadmin/media/bensheim/04-Leben-in-Bensheim/Klimaschutz/Masterplan-Klimaschutz_Endbericht_Bensheim_Masterplan_April_2014.pdf

Der Plan beleuchtet genau die Situation von Bensheim wie Strombedarf, Wärmebedarf nach Stadtvierteln, wo könnte man mit Nahwärme Energie einsparen usw. Und er schlägt 50 konkrete Klimaschutz-Maßnahmen vor, die natürlich alle einzeln von der Stadt beschlossen und umgesetzt werden müssen.

Leicht veraltet

Der Plan ist allerdings mittlerweile leicht veraltet.

  • Der Plan geht noch vom veralteten Ziel einer Emissionsabsenkung von nur 95% bis 2050 aus.
  • Er sieht zwar vor, dass viele Häuser in Zukunft mit Wärmepumpen beheizt werden müssen und Autos tendenziell elektrisch betrieben werden. Aber er berücksichtigt nicht den dadurch verursachten Anstieg des Stromverbrauchs und die Speicherverluste, die durch Speicherung von PV- und Windkraftstrom für Bedarfszeiten entstehen. Mittlerweile verfügbare Studien zur „Sek­tor­kopplung“ gehen davon aus, dass sich der Strombedarf dadurch in etwa verdoppeln wird. Dadurch müssen die Anforderungen im „Masterplan“ an Photovoltaik und Windkraft-Installationen etwa verdoppelt werden.
  • Bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen wird von den Randbedingungen von 2014 ausgegangen, insbesondere bei der EEG-Förderung.
  • Er berücksichtigt Emissionen aus der Landwirtschaft und entwässerten Mooren nicht.
  • Er berücksichtigt den Aufwand zur Speicherung von Strom für Flautenzeiten im Winter nicht.

Situation in Bürstadt

Fehlschlag 2010

Die Start Bürstadt hat offenbar zuletzt 2012 einen Umweltbericht erstellt. Zum Klimaschutz steht darin nicht viel. Aber:

Am 25.11.2009 hat Bürstadt als eine der ersten Kommunen in Hessen in Kassel, die Charta „100 Kommunen für den Klimaschutz“ unterzeichnet. Die Unterzeichner haben sich darin verpflichtet, einen verbindlichen Akti-onsplan für den kommunalen Klimaschutz aufzustellen.

Magistrat der Stadt Bürstadt – 10. Umweltbericht 2011/2012 Seite 111

Jedoch hat Bürstadt diese „Verpflichtung“ im Gegensatz zu Bensheim nicht erfüllt. Schaut man sich auf dem Webserver der Klima-Kommunen Hessen die Einreichung von Bürstadt an, so sieht sie dürftig aus:

Dies gehört wohl zu den unzureichenden Klimaschutzmaßnahmen, die auf Aktionen der Fridays for Future mannigfaltig scharf kritisiert wurden. Vielleicht auch einer der Fehler, die Herr Altmeier eingesteht?

Die aktuelle Auflistung der Bürstädter Maßnahmen zum Klimaschutz ist zwar nicht ganz leer, aber der Größe der Aufgabenstellung nicht angemessen.

Beschluss vom 18.9.2019

Am 18.9.2019 hat die Bürstädter Stadtverordnetenversammlung Bürstadt beschlossen:

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bürstadt beauftragt die Verwaltung
a) bis zum Ende dieser Wahlperiode ein integriertes Klimaschutzkonzept zu erarbeiten
b) regelmäßig – mindestens alle 24 Monate und soweit die erforderliche Datenbasis verfügbar ist – im Rahmen eines Umwelt- und Klimaschutz­berichtes über Ziele, Maßnahmen und Ergebnisse der örtlichen Nachhaltigkeitspolitik zu berichten.

Beschluss der Bürstädter Stadtverordnetenversammlung vom 18.9.2019.

Ein Masterplan für Bürstadt

Solch ein „integriertes Klimaschutzkonzept“ ist wichtig, um die Entscheidungen der Bürstädter Politik mit den Erfordernissen des Klimaschutzes abgleichen zu können. Damit nicht zuerst PV-Anlagenpflicht für die Dächer von Gewerbeobjekten abgelehnt wird, dann für die Dächer von Neubaugebieten und dann gesagt wird, PV-Anlagen gehören nicht auf Äcker, sondern auf Dächer.

Es ist wichtig, dass das Klimaschutzkonzept regelmäßige Zwischenziele benennt. Wie im Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vorgesehen alle 24 Monate. Also Zwischen­ziele für 2021, 2023, 2025 usw.

Um in 30 Jahren klimaneutral zu werden, müssen in 24 Monaten 6,6% an Emissionen eingespart werden. Da gibt es viel zu tun!

Bernd Herd

Dipl. Ing. Bernd Herd (TH), Software Entwicklung http://www.herdsoft.com/ Telefon: 06206-707775

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