Schadensentwicklung im Dice Modell von William Nordhaus

Schadensentwicklung im Dice Modell von William Nordhaus

Schaden je Tonne CO2 (Social Cost of Carbon)

Bernd Herd Bernd Herd, Mitglied der Ortsgruppe Bürstadt der GRÜNEN.

Forderung der Fridays for Future

Die Fridays for Future haben in Ihrem Forderungskatalog formuliert:

  • „Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen. Laut UBA sind das 180€ pro Tonne CO2“.

Sie beziehen sich dabei wohl auf:

https://www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-wirtschaft/gesellschaftliche-kosten-von-umweltbelastungen#textpart-5

Hier werden die Werte als „UBA-Empfehlung zu den Klimakosten“ bezeichnet

Empfohlene Kosten sind nicht die Schadkosten von CO2 in der Zukunft

Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass das nicht der Schaden ist, den der Menschheit durch die Emission einer Tonne CO2 in Zukunft entstehen wird, sondern der optimale Preis den CO2 gemäß einem mathematischen Modell (Einem Integrated Assessment Model) haben sollte, damit die Wirtschaft die Nutzung von CO2 kostenoptimal reduziert. Dabei werden in fernerer Zukunft auftretende CO2-Bedingte Schäden geringer gewichtet als in näherer Zukunft auftretende Schäden.

Fachliteratur

Nach Lesen von folgendem Artikel:

https://skepticalscience.com/climate-damages-51-per-ton.html

Habe ich mir das DICE Modell näher angesehen und festgestellt, dass die Autoren davon ausgehen, dass die Wirtschaft der Welt in den nächsten 500 Jahren pro Jahr um 1,5% wächst und außerdem eine Zeitpräferenz von 1,5% angesetzt wird. Demnach werden Schäden in 500 Jahren um das 26-Millionenfache reduziert berücksichtigt, obwohl selbst in 10000 Jahren noch > 10% des heute emittierten CO2 in der Atmosphäre wirksam sein werden.

Der Autor von DICE ist William D. Nordhaus, der für seine Integration des Klimawandels in makroökonomische Wirtschaftsmodelle den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt.

Eine grafische Darstellung findet sich bei einem Projekt, das das DICE-Programm auf die Open Source Plattform „R“ portiert hat: https://github.com/olugovoy/climatedice.

Interpretation der Daten

Die o.g. Tabelle des Umweltbundesamtes kommt bei Weglassen der Zeitpräferenz auch schon auf 640 € je Tonne. Die Zeitpräferenz berücksichtigt, dass Konsumenten gewöhnlich ein Produkt lieber heute als nächstes Jahr kaufen möchten, was logisch ist, denn wenn ich Hunger habe, nützt es mir nichts, das Essen nächstes Jahr billiger zu bekommen, denn dann bin ich bis dahin schon verhungert. Aber wenn die Person, die in 50 Jahren den Schaden aus einer Entscheidung haben wird, eine andere ist als die Person die heute die Entscheidung fällt, dann ist das so, als würde man einen Dieb fragen, ab welchem Schaden für den Bestohlen er auf den Diebstahl verzichte würde, und da habe ich den Verdacht, dass die Berücksichtigung der Zeitpräferenz nicht statthaft ist.

Die Gegenwart gegenüber der Zukunft zu privilegieren scheint geradezu ein Musterbeispiel für Parteilichkeit und Ungleichbehandlung, insbesondere dann, wenn die zeitliche Verteilung von Nutzen und Kosten ausgeprägt ungleich ist und die zukünftigen Generationen einseitig benachteiligt.

Dieter Birnbach: Klimaethik. Nach uns die Sintflut? Stuttgart: Phillip Reclam jun. GmbH & Co KG, 2016, S. 78. ISBN 978-3-15-011079-9.

Außerdem gehen diese Modelle davon aus, dass die Weltwirtschaft wächst, und das obwohl sowohl der Klimawandel, als auch der Kampf gegen den Klimawandel das Wachstum schwächen wird. Wenn ich das DICE Modell mit einem (Fast) 0-Wachstum durchrechnen lasse, dann komme ich auf CO2-Kosten von 2800€ je Tonne. Das ist der Betrag, der im DICE-Modell angenommen wird, zu dem man CO2 in der Zukunft aus der Atmosphäre wieder entnehmen kann. Daher kann das Modell keine höheren Werte liefern.

Eine sehr grobe Schätzung für den Schaden je Tonne CO2 ohne Wachstum über den gesamten Zeitraum bis es wirklich aus der Atmosphäre verschwindet gab mir > 10000€ je Tonne, wenn man keine Zeitpräferenz und kein Wachstum annimmt.

Also sind diese Zahlen des Umweltbundesamtes bereits unter außerdordendlich optimistischen Bedingungen ermittelt, und selbst das wird von der Politik nicht umgesetzt, wohl hauptsächlich aus Furcht vor verringertem Wirtschaftswachstum.

Offenbar glauben also viele, dass die 180€ des UBA die Kosten sind, die eine Tonne CO2 den zukünftigen Generationen auferlegt, das ist aber nicht richtig und es scheint auch nirgends in der Presse richtig gestellt zu werden.

Politische Auswirkungen

Herr Habek von den GRÜNEN hat bei einer Talkshow von einer CO2-Bepreisung von 40€/Tonne CO2 gesprochen, wo doch aber nach den aktuellen Studien ein 4,5-Fach höherer Preis gebraucht wird. Ich vermute, dass auch viele GRÜNE diesem Missverständnis unterliegen.

Es erscheint nicht unvernünftig, die Kosten je Tonne CO2 auf diesen Betrag von 180 € je Tonne CO2 zu begrenzen. Aber es ist nicht so, dass von da aus ein Kompromiss zwischen den Interessen der älteren und den Interessen der jüngeren Generation geschlossen werden sollte. Dieser Wert ist bereits der Kompromiss.

Links

Bernd Herd

Dipl. Ing. Bernd Herd (TH), Software Entwicklung http://www.herdsoft.com/ Telefon: 06206-707775

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